Alle Ulrichsplatz-Termine im Überblick
- "Festa nel Sotteraneo" - 24. August 2002 - 22:00 Magazinkeller / Schlachthof
- "Warm-up Party" - 30. August 2002 - 22:00 - Rote Ratte / Musical Theater
- "Festa sulla Piazza" - 31. August 2002 - 15:00 - Ulrichsplatz / Ostertorsteinweg
- "Uli's Dancefloor" - 31. August 2002 - 23:00 - Moments / Vor dem Steintor
Warum ein Ulrichsplatz in Bremen?
Der Jurist Karl Heinrich Ulrichs (* 28.08.1825 auf dem Gut Westerfeld bei Aurich, + 14.07.1895 im italienischen L'Aquila) gilt
als Vorkämpfer für die rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben. Da sich Ulrichs erstmals öffentlich
selbst zu seiner eigenen sexuellen Identität bekannt hat, nennt ihn der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch den
"ersten Schwulen der Weltgeschichte". Ohne Rücksicht auf seine eigene soziale Stellung fordert er in den 1860er
Jahren erstmalig Straffreiheit für die, wie er es damals formuliert, "mannmännliche Geschlechtsliebe". Sein
Ruf nach Entkriminalisierung und gesellschaftlicher Anerkennung untermauert er mit naturwissenschaftlichen Thesen, nach denen
es sich bei dem "Rätsel der gleichgeschlechtlichen Liebe" um eine naturgegebene physiologische Eigenschaft des Menschen
handelt (siehe hierzu die Nachdrucke seiner zwölf lateinisch betitelten Monographien im Verlag rosa Winkel, beim Stand
der Humboldtbuchhandlung beim Straßenfest zu finden).
Für seinen Mut und sein Engagement erntet er seinerzeit Spott und Verfolgung. 1854 quittiert er den Dienst als
"Hülfsrichter" in Hildesheim, um einem Disziplinarverfahren wegen "unzüchtiger Wollust"
zuvorzukommen. Im Jahre 1864 schließt man ihn aufgrund von Gerüchten über seinen Lebenswandel aus dem in
Frankfurt am Main ansässigen "Freien Deutschen Hochstift für Wissenschaften und Künste" aus, 1867 wird er
zweimal verhaftet, weil er öffentlich gegen die im Jahr zuvor vollzogene Annexion seines Vaterlandes Hannover durch
Preußen protestiert. Denn hierdurch war die bislang straflose gleichgeschlechtliche Sexualität wieder mit Strafe
bedroht. Nach seiner Haftentlassung versucht er im selben Jahr auf dem Sechsten Deutschen Juristentag in München eine
Petition für die Straffreiheit der "angeborenen Liebe zu Personen männlichen Geschlechts" vorzutragen und
wird von den anwesenden Juristen niedergeschrieen.
Zu würdigen sind ferner Ulrichs zahlreiche Eingaben an die Strafrechtskommissionen des Norddeutschen Bundes (1868-1870),
in denen er Straffreiheit für die "mannmännliche Geschlechtsliebe" einfordert. Einer seiner Gegenspieler ist der
Bremer Senator Dr. Ferdinand Donandt (1803-1872), der den Straftatbestand ausgedehnt und auch die lesbische Sexualität
bestraft wissen will. Donandt kann in der zuständigen Bundeskommission immerhin die Erhöhung des Strafrahmens
durchsetzen (bis zu fünf Jahren Gefängnis), eine Formulierung, die dann Eingang in das Deutsche Strafrecht von 1871
findet.
Parallel zu seinem Kampf um Entkriminalisierung setzt sich Ulrichs für die homosexuellen Opfer von Erpressern und Justiz ein.
So interveniert er in Bremen für den angeklagten Bremer Theaterdirektor Friedrich Carl Feldtmann, der im Dezember 1867
aufgrund dieser Hilfe "nur" zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird.
Nach den erfolglosen Appellen an den deutschen Gesetzgeber emigriert Ulrichs 1880 nach Italien, wo er seine letzten fünfzehn
Lebensjahre verbringt. "Exul et pauper", verbannt und arm, heißt es auf seinem Grabstein im italienischen
L'Aquila, doch seine Ideen haben die nachfolgende homosexuelle Emanzipationsbewegung inspiriert und beflügelt, indem sie
sich mit öffentlichen Widerreden, Demonstrationen und Anklagen sowie Streitschriften und Eingaben gegen die staatliche
Strafverfolgung zu Wehr gesetzt hat.
Seinen Mut und seine Entschlossenheit dokumentieren seine eigenen Formulierungen am besten. So schreibt er nach seinem Auftritt
auf dem Sechsten Deutschen Juristentag in seiner Schrift "Gladius furens" (lateinisch für rasendes Schwert), einer
Provokation an den deutschen Juristentag:
"Wir haben uns ermannt! Von nun an werden wir unsren Verfolgern Aug' in Auge gegenüberstehen. Wir halten ihnen Stand.
Wir wollen nicht länger verfolgt sein! Wir wollen uns nicht mehr verfolgen lassen. Wir wollen nicht!"
(Gladius furens, Kassel 1868, S. 14)
Das Bühnenprogramm des Einweihungsfestes "Festa sulla Piazza"
16.00 Uhr: Begrüßung durch Marlene (Susanne Sternberg führt durch das Programm)
16.05 Uhr: Dank an die Beiratsfraktionen (mit Kurzvorstellung auf der Bühne)
16.15 Uhr: Verlesen einer Grußbotschaft von Paul Nash und Mike Lombardi-Nash aus Jacksonville, Florida /USA
16.25 Uhr: Schlaglicht auf den Münchener Ulrichsplatz und die Gedenkfeier zu Ulrichs Geburtstag am 28. August in L'Aquila/Italien, Dr. Wolfram Setz, München
16.35 Uhr: Talkrunde mit den Bremer Bundestagsabgeordneten Volker Kröning (SPD) und Marieluise Beck (Grüne) sowie dem Bremer Fraktionsvorsitzenden Jens Eckhoff (CDU)
17.05 Uhr: "Matrosengeschichten" von Karl Heinrich Ulrichs, gelesen von Thomas Kylau, Schauspieler und Musicaldarsteller aus München
17.20 Uhr: Ansprache und Enthüllung des Straßenschildes durch die Bausenatorin Christine Wischer, Vorstellung der neuen Haltestellenschilder
17.35 Uhr: Grußadresse der Bremer Straßenbahn AG
17.45 Uhr: Rund um Gershwin: Ute Korthen, Sopran beim Bremer Theater und Rolf-Günther Garbe, Bariton, begleitet von Peter Knaak am E-Piano präsentieren Ausschnitte aus ihrem Programm "Rund um Gershwin" und singen Melodien aus "Porgy and Bess"
18.10 Uhr: Crossing Voices: a-cappella-Chorgesang aus Bremen. Von alten Madrigalen über Pop und Schlager bis zum Jazz
18.35 Uhr: Badewanne live: Sketsch von Surmann & Schepansky aus dem Abend-Programm des Schnürschuh-Theaters, Buntentorsteinweg
19.00 Uhr: Da capo al dente: Der lesbisch-schwule Chor aus Bremen mit seiner ganz speziellen Interpretation abendländischer Schlagerkultur
19.25 Uhr: Finale: Da capo al dente, Crossing Voices und Rolf-Günther Garbe singen "You'll never walk alone" von Richard Rodgers und Oskar Hammerstein
19.35 Uhr: Litfass-Bühne: Charts, Dance-classics und Black Beat & House
19.45 Uhr: Hauptbühne: Charts, Dance-classics und Black Beat & House
24.00 Uhr: "Uli's Dancefloor", Party im MOMENTS, Vor dem Steintor 65
Stichwort Dosenbier - Liebe Besucherin und lieber Besucher der Einweihungsfeierlichkeiten des Bremer Ulrichsplatzes
Die Durchführung dieser Veranstaltung kostet Geld: Geld für die Infrastruktur wie etwa Toiletten und Bühnen oder
für das Kulturprogramm.
Zu einer unserer wesentlichen Einnahmequellen zählen die Beiträge der vermieteten Verkaufsstände von Bistro
Brasil, Bremen von hinten (Bienenkorb, Bronx, Downtown, Perseus), Café Engel und Litfass. Den anderen am Platz
ansässigen Kneipen können wir dabei nicht verbieten, parallel hierzu billiges Dosenbier zu verkaufen. Der Kauf von
Dosenbier lässt jedoch eine unserer wichtigsten Einnahmequellen versiegen. Dann allerdings können wir in Zukunft kein
weiteres Fest mehr auf dem Ulrichsplatz finanzieren und organisieren.
Unsere große Bitte lautet daher:
Solidarität mit den VeranstalterInnen und
kein Kauf von billigem Dosenbier!
Jede Besucherin und jeder Besucher kann durch ihr bzw. sein Verantwortungsbewusstsein mit zum Erfolg dieser Veranstaltung
beitragen. Wir garantieren auf der anderen Seite einen fairen Verkaufspreis von Getränken und Speisen.
Für das entgegengebrachte Verständnis bedankt sich die Ulrichsplatz-AG ganz nachdrücklich bei jeder Besucherin
und jedem Besucher. Viel Spaß bei der Einweihung!
Herausgeber
Ulrichsplatz-AG: Agentur dcm (Don't cry Mama), Agentur InterNett, Aids-Hilfe Bremen e.V., Belladonna
(Kultur-, Kommunikations- und Bildungszentrum für Frauen e.V.), bremen.gay-web.de, Dr. Jörg Hutter,
Kulturinitiative "Suspekt", Rat und Tat Zentrum für Schwule und Lesben e.V., Stand.Up
(Kultur- und Kommunikationsverein für Schwule und Lesben e.V.)
c/o Rat und Tat Zentrum für Schwule und Lesben e.V.
Theodor-Körner-Str. 1, 28203 Bremen
Ansprechpartner:
Dr. Jörg Hutter: 0175 - 2343182 oder 0421 - 71443
Reiner Neumann: 0162 - 1062927 oder 0421 - 78438
Weitere Informationen auch im Internet unter:
http://www.ulrichsplatz-hb.de
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